Beim Embodiment Coaching geht es darum, wie du in deinem Körper bist. Wie du Dinge tust, und nicht nur, was du darüber denkst. Anstatt nur zu reden, arbeiten wir auch mit dem Körper. Taucht ein schwieriges Thema auf, reagiert auch dein Körper. Vielleicht hältst du die Luft an, weichst zurück oder du lächelst, obwohl dir gar nicht danach ist. Wenn du lernst, auf solche Dinge aufmerksam zu werden, eröffnet dir das die Möglichkeit, etwas anders zu machen.
Womit wir arbeiten können
Kennst du das Gefühl, dass sich in deinem Leben etwas immer wiederholt? Oder dass du in einem Muster feststeckst, das du ändern willst, aber egal, was du probierst, am Ende machst du doch wieder dasselbe?
- „Ich sag Ja, bevor ich überhaupt nachgedacht hab. Und danach ärgere ich mich, meistens über mich selbst.“
- „Ich bin ständig müde und kann am Abend trotzdem nicht abschalten.“
- „Wenn mich jemand kritisiert, hab ich entweder ein Blackout oder werde defensiv. Zwei Stunden später weiß ich genau, was ich hätte sagen sollen.“
- „Ich dreh mich bei dieser Entscheidung seit Monaten im Kreis.“
- „Ich will mit meiner Arbeit sichtbarer werden und finde immer wieder Gründe, es doch nicht zu tun.“
- „Ich bin die, die alles zusammenhält, in der Arbeit, zu Hause, im Freundeskreis. Ich weiß nicht, wie ich damit aufhören soll.“
- „Etwas ist zu Ende gegangen – ein Job, eine Beziehung, ein Leben in einem anderen Land – und ich weiß nicht, wie ich weitermachen will.“
Meistens kennen wir unsere Muster ziemlich gut und können sie erklären. Wir wissen, woher sie kommen, haben Bücher gelesen und vielleicht auch eine Therapie gemacht. Und trotzdem fallen wir im entscheidenden Moment wieder in alte Muster zurück. Genau in dieser Lücke zwischen Wissen und Tun setzt Embodiment Coaching an.
Was Embodiment bedeutet
Die meisten von uns haben gelernt, den Körper als Objekt zu sehen. Als etwas, das man füttert, trainiert, repariert, wenn etwas wehtut, und verbessern muss. Eine Art Fahrzeug für den Kopf.
Embodiment sieht den Körper nicht als etwas, das du hast, sondern als Teil deines Wesens. Ein Teil davon, wer und was du bist. Wie du stehst, wie du atmest, deine Körperspannung. Wie du dich bewegst, wie du jemandem die Hand gibst, wie du eine Tür aufmachst, wie nah du andere an dich heranlässt. Deine Art, in der Welt zu sein, und das meiste davon läuft unbewusst ab.
Das ist keine Einbahnstraße. Wie du bist, zeigt sich in deinem Körper, und dein Körper prägt, wie du bist. Wenn du seit zwanzig Jahren die Schultern anspannst, ist das nicht nur ein Zeichen dafür, wie es dir geht. Es ist ein Teil davon geworden, wie du durchs Leben gehst. Deshalb kann die Arbeit mit dem Körper etwas verändern, wo Reden allein nicht hinkommt.
Woher unsere Gewohnheiten kommen
Embodiment, deine Art, dein Wesen zu verkörpern, ist nicht angeboren. Aber es ist auch nichts, das du bewusst erschaffst. Vielmehr wächst es aus deinen Erfahrungen, aus dem, was du erlebst, und verändert sich weiter.
Ein Teil kommt aus deiner Familie. Vielleicht hattest du als Kind das Gefühl, andere zufriedenstellen zu müssen, und hast dadurch gelernt, zu lächeln, zu nicken und schnell Ja zu sagen. Wenn du früh allein zurechtkommen musstest, hast du vielleicht gelernt, die Zähne zusammenzubeißen und weiterzumachen. Auch die Kultur, in der du aufgewachsen bist, hat einen Einfluss auf dein Embodiment. Kinder lernen durch Beobachten, wie sich Erwachsene bewegen, wie sie sitzen und sprechen. Als Frau hast du vielleicht gelernt, dich klein zu machen, brav zu sitzen und ein „Nein“ nur vorsichtig auszudrücken. Und ein Teil kommt von dem Ort, an dem du dich befindest, und von den Menschen, die dich im jeweiligen Moment umgeben.
Die meisten dieser Gewohnheiten waren in der Situation, in der sie ihren Ursprung haben, sinnvoll und hilfreich. Die Gegebenheiten haben sich seither verändert, die Gewohnheiten haben ihren Zweck erfüllt, aber sie sind geblieben. Sie zeigen sich in deiner Arbeit, in deinen Beziehungen, darin, wie du ein Kompliment annimmst. Weil sie so vertraut sind, fühlen sie sich an wie „so bin ich halt“. Das stimmt auch. Aber es ist nicht alles, was du sein könntest.
Was Embodiment nicht ist
Keine Körpersprache
Bei Körpersprache geht es um Signale. Was verschränkte Arme bedeuten, welche Haltung du vor einem Meeting einnimmst. Du ziehst es an wie ein Kostüm, aber sobald Druck kommt, hält es nicht. Embodiment arbeitet langsamer und ist persönlicher.
Kein Sport
Du kannst eine Stunde Yoga machen und dabei die ganze Zeit an deine Einkaufsliste denken. Zur verkörperten Praxis wird Bewegung erst, wenn du darauf achtest, was dabei in deinem Körper passiert, und wie du es in deinem Leben umsetzt.
Kein bestimmter Look
Beim Embodiment geht es nicht darum, ruhig, beweglich oder spirituell zu wirken. Es geht nicht darum, dich immer gut zu fühlen. Du kannst verkörpert sein in Tränen, in Wut, in tiefer Stille. Es fängt damit an, wahrzunehmen, was da ist, auch Anspannung, Taubheit oder Leere.
Vier Dinge, die du lernen kannst
Mein Lehrer Mark Walsh arbeitet mit dem Modell der „Embodied Intelligence“. Im Grunde sind das vier Fähigkeiten, die jede:r lernen kann:
- merken, in welchem Zustand du gerade bist, so wie er ist
- deinen Zustand verändern, wenn du es brauchst, zum Beispiel runterkommen oder in Schwung kommen
- merken, was in anderen vorgeht
- andere beeinflussen, durch die Art, wie du bist, nicht nur durch das, was du sagst
Alle vier laufen auf dasselbe hinaus: Bewusstsein und Wahl. Zuerst merkst du, was da ist. Dann entdeckst du, dass du etwas verändern kannst, wenn du willst.
Warum Verstehen allein nichts ändert
Muster und Gewohnheiten mit dem Kopf zu verstehen, sie erklären zu können und zu sagen, dass du sie ändern willst, ist das eine. Aber Gewohnheiten sitzen nicht nur im Kopf. Wir drücken sie durch unseren Körper aus. Deshalb reicht der Satz „Das will ich ändern“ allein nicht.
Damit eine Veränderung auch im Körper ankommt, braucht es Zeit und Übung. Der Körper zieht nicht einfach mit, nur weil der Kopf etwas beschlossen hat. Unter Stress greift er auf das zurück, was er kennt. Manche strengen sich dann noch mehr an, manche ziehen sich zurück, manche erstarren oder sind wie abgeschaltet, manchen geht jede Energie aus, und manche greifen zum Handy, gehen zum Kühlschrank oder trinken noch ein Glas.
Du denkst weniger klar, bist weniger freundlich, spürst weniger und fällst in das zurück, was du am besten kennst. Deshalb taucht das alte Muster genau dann auf, wenn es darauf ankommt. Ein großer Teil meiner Arbeit ist, dir zu helfen, auf diesen Moment aufmerksam zu werden und zu erkennen, dass du eine Wahl hast.
Was in einer Sitzung passiert
Jede Sitzung ist anders, aber ein paar Dinge kommen immer wieder.
Wir fangen mit deinem Anliegen an
Du bringst mit, was dich beschäftigt. Wir gehen es auch über den Körper an und finden heraus, was du verändern möchtest.
Wir zentrieren uns
Das Zentrieren ist ein wichtiger Teil vom Embodiment Coaching. Wir arbeiten mit verschiedenen Techniken, die dir helfen, bei dir und in deinem Körper anzukommen, statt im Kopf festzuhängen oder dich von deinen Sorgen leiten zu lassen. Dabei geht es nicht immer ums Runterkommen. Manchmal brauchst du eher mehr Energie als weniger.
Ich frage, was in deinem Körper passiert
„Während du mir das erzählst, was passiert in deinen Schultern? In deinem Kiefer? Mit deinem Atem?“ Ich frage, statt dir zu sagen, was ich sehe. Die Antworten findest du selbst, ich begleite dich dabei.
Wenn du nichts merkst, ist das in Ordnung. Manchmal frage ich, ob ich dir sagen oder zeigen darf, was mir auffällt, und mache nach, was du tust. Wir alle haben Gewohnheiten, die wir selbst nicht mehr bemerken, so wie man das Ticken einer Uhr nicht mehr hört, die seit Jahren im Zimmer hängt. Anderen fallen sie oft sofort auf.
Wir probieren etwas anderes aus
Sagen wir, du erzählst mir von einem Kollegen, der dir ständig seine Arbeit zuschiebt. Dann bitte ich dich vielleicht, aufzustehen, eine Hand vor dich zu halten und laut „Nein“ zu sagen. Vielleicht lehnst du dich dabei zurück, vielleicht wird deine Stimme leise. Darauf lenken wir deine Aufmerksamkeit, und dann verändern wir etwas: Du stehst fest und sagst laut und selbstbewusst „Nein“. Dann schauen wir, wie sich das anfühlt. Vielleicht kannst du überzeugend „Nein“ sagen und trotzdem freundlich bleiben?
Oder wir brainstormen und nehmen deinen Körper zu Hilfe. Wir gehen dieselbe Frage langsam und stabil an, dann weich und fließend, dann schnell und direkt, dann leicht und verspielt. Sich anders zu bewegen, bringt andere Ideen hervor. Manches davon fühlt sich vertraut an, anderes neu, angenehm oder unangenehm.
Wenn du vor einer Entscheidung stehst und nicht weiterkommst, üben wir vielleicht, nicht nur auf den Kopf zu hören, sondern auch auf das, was du im Herzen und im Bauch spürst. Die lauteste Stimme ist nicht immer die, der man folgen sollte. Oft ist sie einfach die, die alle anderen übertönt.
Zurück in deinen Alltag
Abschließend frage ich dich, was du bemerkt hast und was jetzt anders ist. Wir überlegen, was du in deinen Alltag mitnehmen kannst: eine kleine Übung oder eine neue Perspektive.
Geübt wird vor allem zwischen den Sitzungen. Das, was du übst, darin wirst du gut. Das gilt auch für die Gewohnheiten, die du loswerden willst.
Der Körper ist weise, aber kein Orakel
Es heißt oft, der Körper lügt nie. Mein Lehrer Mark Walsh sagt, dass man dem Körper nicht immer trauen kann. Ein starkes Gefühl kann eine alte Überlebensstrategie sein oder einfach eine Gewohnheit. Was sich wie Intuition anfühlt, ist manchmal Angst. Den Unterschied zu erkennen, kannst du lernen. Deshalb fragen wir den Körper nicht: „Was soll ich tun?“, sondern: „Was habe ich bisher nicht bemerkt?“
Häufige Fragen
Ist Embodiment Coaching eine Therapie?
Nein. Eine Therapie schaut oft darauf, woher etwas kommt. Coaching schaut darauf, wo du hinwillst und wie du es erreichen kannst. Ich mache vielleicht Vorschläge, aber du entscheidest, was wir tun, und du kannst jederzeit Nein sagen. Ich stelle keine Diagnosen und behandle nichts. Wenn etwas in eine Therapie oder zu einer Ärztin gehört, sag ich dir das.
Und wenn ich in meinem Körper nicht viel spüre?
Das geht vielen so, und es ist ein guter Anfang. Vieles im heutigen Alltag stumpft uns ab: stundenlanges Sitzen, Bildschirme, Stress. Wir gehen es langsam an.
Muss ich fit sein oder Yoga machen?
Nein. Die Bewegungen sind klein: aufstehen, eine Geste, anders sitzen. Du musst dabei nicht gut aussehen.
Ist das wissenschaftlich belegt?
Zum Teil. Die Forschung dazu, wie der Körper Denken und Gefühle beeinflusst, zu Stress und zu Meditation stützt viele der Grundideen. Embodiment ist aber keine bewiesene Wissenschaft. Mir ist lieber, du probierst es aus und siehst selbst, was es bei dir bewirkt.
Funktioniert Embodiment Coaching auch online?
Ja. Darüber hab ich hier geschrieben: Funktioniert Embodiment Coaching auch online?
Wo hast du die Ausbildung gemacht?
Bei Embodiment Unlimited: 2024 die Coaching Embodiment Certification, seit 2025 die Masters of Embodiment Coaching und einige weitere Zertifizierungen.
Eine Sitzung buchen
Ich arbeite 1:1, online oder vor Ort in Canacona in Süd-Goa, auf Deutsch oder Englisch. Wenn dir hier etwas bekannt vorkommt, schreib mir, und wir finden einen Termin.
Barbara · Yogalehrerin, Embodiment-Coach und Tao Tantric Arts Facilitatorin



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